Cor ad cor! - Maria und die Eucharistie!

Maria und die Eucharistie! Sie hat uns durch ihr Jawort, durch ihr Gebet, durch ihre Mutterliebe und Muttersorge das Wunder vermittelt, dass Christus, der Gottmensch gegenwärtig ist im hl. Sakrament des Altares. Noch mehr!
1.    Maria hat uns durch ihre mütterliche Liebe und Sorge die unendlich wertvolle Opfergabe großgezogen, die wir täglich auf unseren Altären dem himmlischen Vater darbringen dürfen in der hl. Messe, wenn das Kreuzesopfer von Golgatha unblutig erneuert wird. Stabat mater! Maria zu Füßen des Kreuzes als die Diakonin des ewigen Hohenpriesters, mit ihm mitleidend und mit ihm mitopfernd, mit seinem Opfer ihr eigenes, das Ganzopfer des Verzichtes auf ihre Mutterrechte und Mutterliebe vereinigend: hostia ad hostiam, Opfer zum Opfer.
2.    Und noch etwas ist zu sagen über Maria und die heiligste Eucharistie: Maria hat uns durch ihre mütterliche Liebe und Sorge, die sie dem Gottmenschen vom ersten Augenblick, da sie ihn unter ihrem Herzen trug, entgegenbrachte, den Tisch gedeckt für das Opfermahl der hl. Kommunion.
Ich denke da an meine greise Mutter. Wie war das schön, wenn sie für die große, kinderreiche Familie den Tisch deckte. Diese Aufgabe ließ sie sich nie abnehmen. Da war sie so ganz Mutter, in Liebe sorgend für das tägliche Brot, für das Mahl ihrer Kinder.
3.     So stelle ich mir auch Maria vor, die Mutter im kleinen Kreis der hl. Familie von Nazareth, wenn sie nach altjüdischem Brauch für den täglichen Bedarf der Familie in einer primitiven kleinen Hausmühle zwischen zwei Steinen das notwendige Quantum Weizen Mehl mahlte und das Mehl dann als Teig bereitete, Sauerteig dazu mengte und dann zu Brot buk. Wie mag ihr der heranwachsende Jesusknabe dabei zugeschaut und dann Helferdienste geleistet haben. Und es klingt wie eine Kindheitserinnerung, wenn der göttliche Heiland in einem Gleichnis sagt: „Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und in drei Maß Weizenmehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.“ (Lk 13,20)
4.    Maria ist nicht bloß für ihre kleine Familie von damals, sondern auch für die große Gottesfamilie von heute die Mutter, die den Tisch deckt. Sie hat uns das Himmelsbrot bereiten geholfen und in ihrer mütterlichen Liebe sehnt sie sich danach, dass für alle Gotteskinder das Himmelsbrot bereitsteht und sie es oft und würdig empfangen. Sie, die bei der Hochzeit zu Kana die kleine Verlegenheit der Brautleute, denen der Wein ausgegangen war, sah und diese Verlegenheit beheben half durch das Wunder, das sie von ihrem göttlichen Sohn erbat, sie ist doch sicher auch jene, die mit wachem Auge und mit mütterlich sorgender Liebe sieht, wo hungernde Seelen sind, denen das Himmelsbrot der heiligsten Eucharistie abgeht.
5.    Wie wünscht doch die himmlische Mutter sicher so recht von Herzen, dass ihre Kinder immer mehr „auf den Geschmack kommen“, der dem Himmelsbrot der heiligsten Eucharistie zu eigen ist.
6.    Wie ergreifend habe ich den Hunger nach dem Himmelsbrot der heiligsten Eucharistie erlebt, als ich vor zwei Jahren in Irland weilte und das durch und durch katholische irische Volk mit seiner Christus- und Marienliebe kennenlernte. In der Hauptstadt Irlands, in Dublin, erlebte ich es, wie mittags um 12 Uhr im dichtbesetzten Obus alle Fahrgäste bis hin zum Chauffeur, der die Mütze abnahm, den „Engel des Herrn“ beteten. Auf einer Fahrt kreuz und quer durch die Insel sah ich immer wieder an Straßenkreuzungen und auf Anhöhen eine Marienstatue, ein Marienbild.
7.    Neben der Marienliebe aber die Christusliebe! Ebenfalls in Dublin war es, am Herz-Jesu-Freitag im September 1958: Um 6 Uhr früh ging ich aufs geradewohl  mit einem Mitbruder in eine beliebige Vorstadtkirche in einem Arbeiterviertel, um dort die hl. Messe zu feiern. Wie waren wir überrascht, trotz der frühen Stunde und des Werktages die Kirche voll zu finden und zwar nur von Männern. Wir gingen in die Sakristei und baten den Pfarrer, zelebrieren zu dürfen. Er willigte gerne ein, sagte aber: „Zuerst müssen Sie mir Kommunion austeilen helfen!“ Und wir drei Priester teilten dann die hl. Kommunion aus, jeder eine halbe Stunde lang. Kurz vor 7 Uhr leerte sich die Kirche und füllte sich mit den Frauen und das gleiche ergreifende Schauspiel des Dranges „hin zur Kommunionbank" wiederholte sich nun mit den Frauen. Und um 8 Uhr kamen die Kinder! Da begriff ich dann, wieso das kleine Irland so viele Priester- und Ordensberufe hervorbringt, und wieso dieses kleine, arme Volk relativ gesehen die allermeisten Missionare in den Missionsländern Asiens, Afrikas und Ozeaniens stellt!
Da spürte ich, diese Katholiken in Irland lassen sich an der Mutterhand Mariens zum eucharistischen Heiland führen! Diese Menschen sind auf den Geschmack gekommen, den das Himmelsbrot der Eucharistie in sich birgt. Hier spürt man, dass das Opfermahl der heiligsten Kommunion auch heute noch - nach einem Wort der Liturgie – „der Weizen der Auserwählten ist und der Wein, aus dem Jungfrauen sprießen.“
8.    Warum freut sich wohl die Gottesmutter sosehr, wenn sie sieht, dass ihre Kinder nicht bloß einmal im Jahr zur österlichen Zeit am Tisch des Herrn, den sie uns gedeckt hat, erscheinen, sondern oft, womöglich monatlich oder noch besser sonntäglich oder noch besser täglich? Warum freut sich Maria darüber? Weil sie sich dabei zurückerinnert fühlt an jene selige Stunde, da ihr bei der Verkündigung eine neun Monate währende Kommunion, eine ununterbrochene Vereinigung mit dem unter ihrem Herzen Mensch gewordenen Gottessohn zuteil wurde und sie zu einer Christophora, zu einer Christusträgerin wurde. Wie mag Maria in jenen neun Monaten immer wieder hinein gelauscht haben in ihr Inneres und Zwiesprache gehalten haben mit ihrem Kinde! Von dem großen englischen Konvertiten und Kardinal John Henry Newman stammt das Wort "Cor ad cor loquitur - Das Herz spricht zum Herzen!" Damals, als Maria den Gottmenschen unter ihrem jungfräulichen Herzen trug, ist dies wortwörtlich wahr gewesen: Cor ad cor! Herz an Herz, das Herz Jesu und das Herz Mariae! Die beiden edelsten, reinsten, heiligsten Herzen in einem wunderbaren Gleichklang der Gefühle und Wünsche und Regungen! Hostia ad hostiam! So hat es gestern geheißen. Heute heißt es:
9.    Cor ad cor! Herz zum Herzen! Denn das, was damals Maria, die erste Christusträgerin, in sich erlebte, wiederholt sich doch eigentlich in jeder hl. Kommunion. So hat doch Christus ausdrücklich gesagt:„Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm! Er in mir, ich in ihm! Cor ad cor! und wenn es auf das Herz ankommt - und das stimmt - dann müsste doch unser Herz gesunden, wenn es am Herzen Jesu ruht kraft der Christusbegegnung einer würdigen hl. Kommunion!
10.    Wem das einmal aufgegangen ist, wie beglückend, wie tröstlich, wie gnadenvoll, wie segensreich eine solche Christusbegegnung sein kann, der begnügt sich nicht mehr mit dem "Einmal im Jahr zur österlichen Zeit...", nein, der kann zuletzt kein hl. Messopfer mehr mitfeiern, ohne auch teilzunehmen am Opfermahl der hl. Kommunion.
Ein solcher, von Christus- und Marienliebe erfüllter Mensch kommt dann auch nicht mehr mit allen möglichen Ausreden daher, sondern wird das geistreiche Wort des geistreichen hl. Bischofs Franz von Sales bestätigen: „Zwei Klassen von Menschen sollen die hl.Kommunion besonders häufig empfangen:
die STARKEN, damit sie nicht schwach werden, und die SCHWACHEN, damit sie stark werden; die KRANKEN, damit sie gesund werden, und die GESUNDEN, damit sie nicht krank werden!“
Zu einer dieser Klassen von Menschen gehören wir doch wohl alle?!
11.    Unser Herr und Heiland hat schon gewusst, warum er das größte aller Sakramente gerade in die schlichteste Gestalt, in die Gestalt des Brotes, eingehüllt hat! Das hat er, so könnten wir sagen, von seiner Mutter gelernt! Wie sie ihm in Nazareth das tägliche Brot bereitet hat, so wollte er uns in der mütterlichen Liebe, die aus dem Herzen seiner jungfräulichen Mutter in sein Heilandsherz übergeströmt war, ein tägliches Brot reichen, das das Gnadenleben unserer Seele erhält und ernährt. So sprach er in der Synagoge zu Kapharnaum: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, habt ihr kein Leben in euch!" (Joh 6,53). Es ist ein allgemeines Gesetz: Jedes Leben bedarf zu seiner Erhaltung der Speise! Die Tiere verlangen ihr Futter und unser Leib braucht notwendig Speise und Trank. So wollte Gott, dass auch das uns in der Taufe geschenkte Gottesleben der Gnade durch eine Speise erhalten und ernährt würde. Gewiss hätte uns Gott dafür auch eine Speise zuweisen können, die wir nur einmal nehmen müssten, um ein ganzes Leben lang damit auszukommen. Aber er hat es anders gefügt. Die meisten von uns haben ja auch gar nichts dagegen, dass wir uns täglich aufs neue das Essen schmecken lassen dürfen. Auch für unsere Seele hat uns Gott ein Brot geschenkt, das wie das Manna täglich oder wenigstens regelmäßig und immer wieder gegessen werden muss, wenn das göttliche Leben in unserer Seele nicht absterben soll. Und wenn der moderne Mensch mit seinem Nützlichkeitsstandpunkt nach dem Wert und Nutzen, nach der Wirkung der hl. Kommunion fragt und skeptisch meint: Was nützt denn schon die häufige Kommunion, ich sehe keinen Fortschritt und keinen Nutzen, weder bei mir noch bei anderen!?, dann halten wir uns an ein Dokument des kirchlichen Lehramtes aus dem Mittelalter, das in klassischer Weise die Frage nach den Wirkungen der hl. Kommunion beantwortet: „Jede Wirkung, die Speise und Trank für das leibliche Leben haben - sie erhalten, steigern, erneuern und erfreuen es – dies übt die hl. Kommunion für das geistliche Leben aus.“
Auch von der kräftigsten körperlichen Speise verlangen wir nicht, dass sie uns jeden Tag ein Stück größer und stärker macht. Aber sie erhält uns das Leben und erneuert, was durch den täglichen Kräfteverbrauch verlorengegangen ist. So ist es auch mit der hl. Kommunion: Es ist doch wahrlich kein kleiner Gewinn, wenn die häufige, tägliche hl. Kommunion uns hilft, das göttliche Leben zu erhalten und auf dem Wüstenzug dieses Lebens auszuharren und nicht zu ermatten.
Aber die gute und regelmäßige Ernährung mit dem Himmelsbrot steigert auch unsere Lebenskraft, lässt uns innerlich wachsen, reifer, tiefer, treuer, innerlicher werden.

Die letzte Wirkung des leiblichen Essens ist die, dass es uns freut, uns gut aufgelegt und beschwingt macht. Nicht umsonst verschönern wir unsre Feste, auch die des Kirchenjahres, durch die Freuden des Tisches. Auch der Tisch des Herrn hat seine Tischfreuden, die der treue Kommunikant manchmal fast handgreiflich spürbar empfindet:Glaubensfreude, Arbeitsfreude für alles Gute, Freude am inneren Fortschritt, das sind Wirkungen, die die öftere Kommunion in vielen unserer eifrigen Christen hervorbringt. Oder woher beziehen unsere Krankenschwestern, unsere Laienapostel vielfach ihren Eifer und Schwung, ihren Opfergeist und Idealismus, ihren unerschütterlichen Mut, ihre Einsatzbereitschaft für das Gute trotz größter Schwierigkeiten, wenn nicht aus der Heilandsliebe, die durch die Berührung mit Christus immer wieder neu entzündet wird, wenn Cor ad cor, Herz an Herze ruht und seine Liebe, die Liebe des Herzens Jesu in unser eigenes Herz überströmt und wenn es dabei immer wieder wahr wird, was als außerbiblisches Heilandswort überliefert worden ist:“Wer mir nahe kommt, kommt dem Feuer nahe!"
Wie schön wird das in der Herz-Jesu-Messe, die wir Morgen am Herz-Jesu-Freitag wieder feiern, ausgesprochen, wenn wir da in der Postcommunio, also im Danksagungsgebet nach der hl. Kommunion beten: "Diese heiligen Gaben (die wir empfangen haben), Herr Jesus, mögen göttliche Liebesglut in uns hineintragen. Lehre uns in ihrer Kraft das Irdische gering schätzen und das Himmlische lieben, nachdem wir die Süßigkeit deines liebreichen Herzens verkostet haben!" Cor ad cor! Herz zum Herzen! Unser Herz zum Herzen Jesu! Die Verbindung unseres Herzens mit dem Herzen Jesu in Freud und Leid, in tapferem aufwärtsstreben, in mutigem Ringen und Kämpfen. Maria hat uns auch das wieder vorgemacht in den neun Monaten, da ihr Herz und das Herz Jesu zusammen nur einen gemeinsamen Schlag besaßen. Und auch dann noch weiter, da ihr Herz mit seinen Wünschen und Regungen völlig mit denen des Herzens Jesu übereinstimmte.
Und wieder gehen wir abschließend zur Mutter und bitten sie, in uns allen diesen Hunger nach dem Himmelsbrot, dieses Verlangen nach dem Opfermahl der hl. Kommunion wachzurufen, damit auch in uns dieses Cor ad cor, Herz zum Herzen Erfüllung finde und so unser Herz immer mehr dem Herzen Jesu und dem seiner jungfräulichen, unbefleckten Mutter ähnlich und gleichförmig werde. Amen.